Lüftungsrechner: Wie oft und wie lange müssen Sie lüften, damit die Wohnung trocken bleibt?

Schnelle Antwort: Der Lüftungsrechner ermittelt, wie oft pro Tag Sie stoßlüften müssen, damit Ihre Raumluft unter 60 % relativer Feuchte bleibt. Eine Beispielwohnung (75 m², 3 Personen, je 10 Minuten) braucht dafür im Januar 3, im Dezember 4 und im Oktober 24 Lüftungen am Tag. Lüften trocknet, wenn die Außenluft in g/m³ weniger Wasser trägt als die Raumluft, selbst bei 90 % relativer Feuchte draußen, solange es kalt ist.

Sie lüften nach Lehrbuch, dreimal täglich fünf Minuten, und das Hygrometer zeigt im Oktober trotzdem mehr als 60 %? Im Oktober trägt die Außenluft 71 % mehr Wasser als im Januar (8,46 gegenüber 4,96 g/m³, Deutscher Wetterdienst); dieselbe Wohnung braucht bei 20 °C für 60 % knapp das Dreifache an Luftwechsel (vereinfacht gerechnet das 2,9-Fache, siehe Modellgrenzen). Der Lüftungsrechner rechnet das für Ihre Wohnung durch, das Zusammenspiel von Heizen und Lüften erklärt die Themenseite Heizen und Lüften.

Was die Kurzantwort nicht abdeckt: Sie gilt für das Monatsmittel von Oktober bis März, nicht für Sommertage und nicht für Feuchtespitzen nach dem Duschen. Warum „24-mal“ kein Lüftungsplan ist, welche Eingabe am stärksten wirkt und wie Sie ohne Rechner prüfen, ob Lüften lohnt, steht darunter.

🪟 Lüftungs-Rechner: Wie oft muss ich lüften, damit die Wohnung trocken bleibt?

Rechenweg: stationäre Feuchtebilanz einer Wohnung (Raumluftfeuchte = Außenfeuchte + Feuchteproduktion ÷ (Luftwechsel × Volumen)), Magnus-Formel wie im Taupunkt-Rechner. Außenfeuchte je Monat aus 525.466 Stundenwerten des Deutschen Wetterdienstes mit gültiger Temperatur und Luftfeuchte (6 Stationen, 2016–2025). Feuchtelast 2, 3 oder 4 l je Person und Tag (eigene Stufen); zum Vergleich nennt die Verbraucherzentrale für einen Vier-Personen-Haushalt 6 bis 12 l pro Tag. Ein Stoßlüften tauscht bei einem Luftwechsel von 8,8/h (Messwert für ein ganz geöffnetes Schlafzimmerfenster bei Windstille, Münzenberg et al. 2003) in 10 Minuten rund drei Viertel der Raumluft. Orientierungswerte: Das Modell rechnet mit Monatsmitteln, 20 °C innen und ohne Feuchtepufferung durch Wände und Möbel; es bildet keine Spitzen nach dem Duschen ab.


So benutzen Sie den Lüftungsrechner: ein Beispiel von der Eingabe bis zum Ergebnis

Der Rechner fragt acht Angaben ab, alle mit Voreinstellung: Wohnfläche und Deckenhöhe, Personen und Feuchtelast (2, 3 oder 4 Liter je Person und Tag; co2online: bis zu 12 Liter für vier Personen), Monat (Oktober bis März oder „Wetter eingeben“), Gebäude (0,1, 0,3 oder 0,5 Luftwechsel pro Stunde bei geschlossenen Fenstern), Ziel-Raumluftfeuchte (50, 55 oder 60 %) und Dauer je Stoßlüften (5, 10 oder 15 Minuten).

Das Beispiel: dieselbe Wohnung im Oktober und im Januar

Mit den Voreinstellungen (75 m², 3 Personen, 9 Liter Wasser am Tag) zeigt der Rechner im Oktober 24-mal täglich 10 Minuten Stoßlüften. Ohne Stoßlüften stellen sich rechnerisch 88 % ein, mit dreimal täglich 10 Minuten noch 78 %. Im Januar genügen 3 Lüftungen; ohne Stoßlüften wären es 67 %, mit der Dreimal-Regel 58 %.

Die 24 sind eine Modellzahl, kein Plan: Das Modell kennt nur den Grundluftwechsel und das Stoßlüften, Abluftventilatoren, offene Türen und gekippte Fenster kommen hinzu. Gemeint ist: Im Oktober reicht Stoßlüften allein für diese Wohnung nicht.

Monat Außenluft (g/m³) Nötiger Luftwechsel (pro Stunde) Lüftungen am Tag bei 5 Min. bei 10 Min. bei 15 Min.
Oktober 8,46 1,06 36 24 21
November 6,32 0,50 10 7 6
Dezember 5,53 0,42 6 4 4
Januar 4,96 0,37 4 3 2
Februar 5,07 0,38 4 3 3
März 5,29 0,40 5 3 3

Beispielwohnung: 75 m², 2,5 m Deckenhöhe, 3 Personen mit je 3 Litern, Gebäude 0,3 pro Stunde, Ziel 60 % bei 20 °C. Eigene Berechnung klimanest.de, Außenfeuchte: Deutscher Wetterdienst (Monatsmittel 2016 bis 2025).

Gesamtzeit am Fenster: Im Januar genügen 4 × 5 Minuten (20 Minuten), bei 3 × 10 oder 2 × 15 Minuten sind es je 30; im Dezember kosten 6 × 5 Minuten 30 Minuten, 4 × 15 Minuten dagegen 60. Der Grund: Ein Stoßlüften tauscht im Modell nach 5 Minuten 52 % der Raumluft, nach 10 Minuten 77 %, nach 15 Minuten 89 %. Kurze Stöße nutzen die Zeit am Fenster also am besten, wie es auch das Umweltbundesamt vorsieht (in der kalten Jahreszeit 2- bis 3-mal täglich etwa 5 Minuten). Für die Beispielwohnung reichen 3 × 5 Minuten allerdings in keinem Monat der Heizperiode, im Januar sind es 4.

Im Wetter-Modus (sonst gleiche Voreinstellungen) sind es bei 10 °C und 85 % draußen (7,98 g/m³) 17 Lüftungen, bei 0 °C und 80 % (3,88 g/m³) nur 1; bei 15 °C und 95 % (12,2 g/m³) ist das Ziel durch Lüften nicht erreichbar.

Welche Eingabe das Ergebnis am stärksten verändert

Die Tabelle ändert je eine Eingabe der Beispielwohnung:

Variante (sonst Beispielwohnung) Okt.: Luftwechsel (pro Std.) Okt.: Lüftungen am Tag Jan.: Luftwechsel (pro Std.) Jan.: Lüftungen am Tag
Beispielwohnung (9 l, 75 m², 0,3, Ziel 60 %) 1,06 24 0,37 3
6 Liter am Tag (2 Personen) 0,71 13 0,25 0
12 Liter am Tag (4 Personen) 1,41 35 0,50 7
40 m² statt 75 m² 1,99 53 0,70 13
Neubau, sehr dicht (0,1) 1,06 30 0,37 9
Ziel 55 % 1,95 52 0,44 5
Ziel 50 % 12,39 über 30 0,55 8

Eigene Berechnung klimanest.de, je 10 Minuten Stoßlüften. „0“ heißt: Der Grundluftwechsel des Gebäudes hält das Ziel schon.

Unter den geprüften Varianten verändert im Oktober der Zielwert das Ergebnis am stärksten: 50 statt 60 % erhöhen den nötigen Luftwechsel auf das 11,7-Fache, weil zwischen Zielwert und Außenluft kaum Reserve bleibt (0,16 g/m³). Bei 55 % ist es das 1,8-Fache, ähnlich viel wie bei 40 statt 75 m² (1,9-Fache).

Das Gebäude ändert den nötigen Luftwechsel nicht, nur den Anteil, den Sie selbst liefern müssen: Ein dichter Neubau braucht im Oktober 30 statt 24 Lüftungen. „0 Lüftungen“ gilt nur für die Feuchte; für CO₂ und Gerüche bleibt Stoßlüften sinnvoll (Stoßlüften oder Kipplüften).

Lohnt sich Lüften gerade? Die Faustregel mit der absoluten Feuchte

Lüften trocknet die Wohnung nur, wenn die Außenluft pro Kubikmeter weniger Wasser enthält als die Raumluft. So sagt es sinngemäß auch die Verbraucherzentrale. Die relative Feuchte ist dafür das falsche Maß, denn sie sagt nur, wie voll die Luft bei ihrer Temperatur ist. Maßgeblich ist die absolute Feuchte in g/m³. Raumluft mit 20 °C und 60 % enthält 10,35 g/m³, bei 50 % sind es 8,62 g/m³.

Darum trocknet auch feuchte Winterluft: Im Dezember liegt die relative Feuchte draußen im Mittel bei 86,5 %, die Luft trägt aber nur 5,53 g/m³ und hätte auf 20 °C erwärmt etwa 32 %. Bei 0 °C nimmt ein Kubikmeter Luft laut Verbraucherzentrale maximal knapp fünf Gramm Wasser auf.

Monat (Auswahl) Außenluft Mittel (g/m³) Ø rel. Feuchte außen (%) auf 20 °C erwärmt (% rF)
Januar 4,96 84,1 29
März 5,29 71,2 31
Mai 8,04 67,0 47
Juni 10,45 66,2 61
Juli 10,87 66,6 63
August 11,30 68,8 66
Oktober 8,46 82,5 49
November 6,32 85,8 37
Dezember 5,53 86,5 32

Deutscher Wetterdienst, Open Data (Stundenwerte, sechs Stationen, 2016 bis 2025; 525.466 Stundenwerte), eigene Auswertung klimanest.de, Magnus-Formel. Letzte Spalte vereinfacht ohne Ausdehnung der erwärmten Luft.

Im Juni bis August liegt das Mittel mit 10,45 bis 11,30 g/m³ über den 10,35 g/m³ eines 20-Grad-Raums mit 60 %: Lüften entfeuchtet dann im Mittel nicht mehr. Für den Wert von heute lesen Sie die zweite Tabelle ab; fett markierte Werte liegen über 10,35 g/m³.

Außentemperatur 70 % rF 85 % rF 100 % rF (Nebel, Regen)
−5 °C 2,4 2,9 3,4
0 °C 3,4 4,1 4,8
5 °C 4,8 5,8 6,8
10 °C 6,6 8,0 9,4
15 °C 9,0 10,9 12,8
20 °C 12,1 14,7 17,2
25 °C 16,1 19,5 23,0

Absolute Feuchte der Außenluft in g/m³, Magnus-Formel. Eigene Berechnung klimanest.de.

💡 Faustregel: Bei Raumluft mit 20 °C und 60 % trocknet Lüften bis etwa 11 °C Außentemperatur immer, selbst im Nebel; einen Raum mit 20 °C und 50 % trocknet es bis etwa 8 °C.

So rechnet der Lüftungsrechner: Formel, Datenbasis und Modellgrenzen

Der Rechner ist eine stationäre Feuchtebilanz mit Monatsmitteln der Außenluft und 20 °C innen: Raumluftfeuchte = Außenfeuchte + Feuchteproduktion ÷ (Luftwechsel × Volumen). Für die Beispielwohnung im Oktober:

  1. Feuchteproduktion: 3 Personen × 3 Liter ÷ 24 Stunden = 375 g Wasser pro Stunde.
  2. Reserve: Zielfeuchte (60 % von 17,24 g/m³ = 10,35) minus Außenluft (8,46) = 1,89 g/m³.
  3. Nötiger Luftwechsel: 375 ÷ (1,89 × 187,5 m³) = 1,06 pro Stunde.
  4. Stoßlüftungen: Für weit geöffnete Fenster setzen wir 8,8 Luftwechsel pro Stunde an (Tracergas-Messung an einem ganz geöffneten Schlafzimmerfenster bei −5 °C und Windstille, Münzenberg et al. 2003; derselbe Wert steckt in unserer CO₂-Simulation). 10 Minuten tauschen dann 77 % der Luft. Es fehlen 1,06 − 0,3 = 0,76 Luftwechsel pro Stunde, über den Tag 0,76 × 24 = 18,3 Raumvolumen; geteilt durch 0,77 je Lüftung sind das 23,7, aufgerundet 24 Lüftungen.

Modellgrenzen:

  • Ausdehnung der Luft: Wir rechnen die Differenz der Feuchte je Kubikmeter, ohne dass sich erwärmte Außenluft ausdehnt. Mit diesem Effekt trägt ein Kubikmeter Raumluft im Januar rund 5,7 statt 5,4 g hinaus, im Oktober rund 2,1 statt 1,9 g; der Faktor Oktober gegen Januar läge bei rund 2,7 statt 2,9; der Oktober braucht also weiterhin knapp das Dreifache. Die Lüftungszahlen liegen durch die Vereinfachung etwas zu hoch: Mit diesem Effekt bräuchte die Beispielwohnung im Oktober rund 20 statt 24, im Dezember 3 statt 4 und im Januar 2 statt 3 Lüftungen (gerechnet mit der mittleren Außentemperatur des Monats).
  • Keine Feuchtespitzen: Duschen und Kochen bildet das Modell nicht ab; für das Bad rechnen wir die Lüftungsdauer nach dem Duschen getrennt.
  • Keine Pufferung: Wände, Möbel und Textilien dämpfen Tagesspitzen; für Monatsmittel fällt das nach unserer Einschätzung weniger ins Gewicht.
  • Keine Wandtemperatur: Schimmel hängt an der Oberfläche, siehe Schimmel hinter Möbeln und Kondenswasser am Fenster.

Häufige Fragen

Wie lange sollte man lüften?

Das Umweltbundesamt nennt für die kalte Jahreszeit 2- bis 3-mal täglich rund 5 Minuten pro Raum bei weit offenem Fenster, für die warme 10 bis 20 Minuten. Die Verbraucherzentrale rechnet im Winter mit 3 bis 5, im Frühjahr und Herbst mit 10 bis 20 Minuten.

Welchen Zielwert wähle ich im Rechner?

Wählen Sie 60 %: Das Umweltbundesamt empfiehlt 40 bis 60 % relative Luftfeuchte. Stehen Möbel vor kalten Außenwänden, ist 55 % nach unserer Einschätzung ein sinnvoller Puffer. 50 % ist im Oktober durch Lüften kaum erreichbar (12,4 Luftwechsel pro Stunde in der Beispielwohnung).

Was tun, wenn der Rechner sehr viele Lüftungen verlangt?

Senken Sie zuerst die Feuchtequellen: 6 statt 9 Liter am Tag verringern die 24 Oktober-Lüftungen auf 13. Trocknen Sie Wäsche nicht in der Wohnung und lüften Sie nach dem Duschen sofort. Bleibt die Feuchte hoch, helfen Luftentfeuchter im Vergleich; Ursachen stehen unter Luftfeuchtigkeit zu hoch.

Bringt Lüften im Sommer etwas gegen Feuchte?

Oft nicht, denn die Außenluft trägt im Juni bis August im Mittel mehr Wasser als ein 20-Grad-Raum mit 60 %. Für Erdgeschosswohnungen rät das Umweltbundesamt, in der warmen Jahreszeit früh morgens und spät abends zu lüften. Im Bad (22 °C) erreicht Lüften das Ziel 60 % nach unserer Rechnung in 42,6 % der Auguststunden nicht, siehe Luftfeuchtigkeit im Badezimmer.

Fazit

Stellen Sie Ihre Wohnung und den aktuellen Monat im Rechner ein, vergleichen Sie das Ergebnis mit Ihrem Hygrometer und senken Sie zuerst die Feuchtequellen, bevor Sie öfter lüften. Wer erst mit dem ersten Frost lüftet, beginnt zu spät. Wie Heizen und Lüften zusammen Schimmel verhindern, zeigt der Ratgeber Schimmel vorbeugen.

Quellen

  1. Umweltbundesamt: „Wie lüfte ich richtig? Tipps und Tricks zur Schimmelvermeidung“ (Stand 13.12.2024). umweltbundesamt.de
  2. Verbraucherzentrale: „Heizen und Lüften: So geht's richtig“. verbraucherzentrale.de; 6 bis 12 Liter pro Tag im Vier-Personen-Haushalt (Angabe im Rechner): „Richtiges Heizen und Lüften – die beste Strategie gegen Schimmel“, verbraucherzentrale.de
  3. co2online: „Richtig lüften: Alles, was Sie wissen müssen“. co2online.de
  4. Datenbasis: Deutscher Wetterdienst (DWD), Open Data: Stundenwerte Lufttemperatur und relative Feuchte, sechs Stationen, 2016 bis 2025, eigene Auswertung klimanest.de. opendata.dwd.de

Rechner und Tabellen: eigene Berechnungen von klimanest.de, Stand: Oktober 2026. Stationen: Essen, Frankfurt, Hamburg, Leipzig, München, Potsdam.

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