CO₂ in der Raumluft: welche Werte gut sind und wann Sie lüften müssen
Schnelle Antwort: Bis 1.000 ppm CO₂ gilt Raumluft nach dem Umweltbundesamt als hygienisch unbedenklich, 1.000–2.000 ppm als auffällig, darüber als inakzeptabel; Außenluft liegt heute bei rund 425–430 ppm. Im geschlossenen Schlafzimmer fällt die 1.000-ppm-Marke laut unserer Simulation schon nach etwa einer Stunde. Gegen CO₂ hilft nur Luftaustausch: Stoßlüften — gesteuert per CO₂-Messgerät mit Ampel.
Das Fenster ist zu, die Tür auch, und nach zwei Stunden am Schreibtisch fühlt sich der Kopf an wie in Watte. Oft steckt verbrauchte Luft dahinter: Mit jedem Atemzug geben wir Kohlendioxid an die Raumluft ab, und in geschlossenen Räumen summiert sich das schneller, als die meisten vermuten.
Dieser Artikel erklärt, welche CO₂-Werte in Innenräumen gelten, was über die Wirkung auf Körper und Kopf bekannt ist — und wie Sie den Wert zuverlässig messen und niedrig halten. Er gehört zur Übersicht Luftqualität in Innenräumen.
Woher das CO₂ in der Raumluft kommt
Die Hauptquelle sind wir selbst. Ein erwachsener Mensch atmet bei sitzender Tätigkeit etwa 15–20 Liter CO₂ pro Stunde aus, bei körperlicher Aktivität deutlich mehr. Im Schlaf ist es weniger: Messungen an schlafenden Erwachsenen ergaben rund 11 Liter pro Stunde. Trotzdem reicht das aus, um in einem 16-m²-Schlafzimmer mit geschlossener Tür den CO₂-Gehalt über Nacht auf mehrere tausend ppm zu treiben — wie schnell genau, zeigt unsere Simulation weiter unten.
Weitere Quellen sind Kerzen und offene Flammen (Gasherd), Haustiere — und in geringem Umfang auch Zimmerpflanzen, deren nächtliche CO₂-Abgabe aber verschwindend klein ist im Vergleich zum Menschen.
CO₂-Werte in der Raumluft: Tabelle der ppm-Stufen mit Wirkung und Maßnahme
Die hygienischen Leitwerte, die das Umweltbundesamt 2008 veröffentlicht hat (erarbeitet von der Ad-hoc-Arbeitsgruppe Innenraumrichtwerte, dem Vorläufer des heutigen Ausschusses für Innenraumrichtwerte, AIR), sind der Standard für Innenräume in Deutschland. CO₂ dient dabei als Anzeiger für die Lüftung, nicht als Schadstoff im engeren Sinn. Die Tabelle fasst die drei Stufen zusammen und ergänzt, was der jeweilige Wert für Sie bedeutet:
| CO₂-Wert (ppm) | Bewertung (UBA-Leitwerte) | Einordnung | Was zu tun ist |
|---|---|---|---|
| ca. 425–430 | Außenluft | Referenzwert | — |
| 400–800 | hygienisch unbedenklich | sehr gute Raumluft (Kategorie IDA 1 „hohe Raumluftqualität“ nach DIN EN 13779) | nichts — so darf es bleiben |
| 800–1.000 | hygienisch unbedenklich | Luft wirkt allmählich „verbraucht“ | bei Gelegenheit lüften |
| 1.000–2.000 | hygienisch auffällig | Lüftung reicht nicht aus; ab 1.000 ppm ist laut einer europäischen Modellrechnung (ECA) mit rund 20 % Unzufriedenen zu rechnen | Lüftungsverhalten verbessern, jetzt stoßlüften |
| über 2.000 | hygienisch inakzeptabel | deutlich zu wenig Luftaustausch; ab 2.000 ppm rund 36 % Unzufriedene (ECA) | sofort und intensiv lüften, Belüftung des Raums grundsätzlich prüfen |
Ihr Wert liegt über 1.000 ppm? So lüften Sie richtig: Stoßlüften oder Kipplüften · Wie schnell Ihr Schlafzimmer die Marke erreicht: zum CO₂-Rechner · Welches CO₂-Messgerät echte Werte zeigt
Zur Einordnung: Auch die Arbeitsstättenregel ASR A3.6 „Lüftung“ orientiert sich für Arbeitsräume an der 1.000-ppm-Marke; der Arbeitsplatzgrenzwert von 5.000 ppm (TRGS 900) ist dagegen ein Gefahrenwert, der in Wohnräumen praktisch nie erreicht wird.
Die Grenze von 1.000 ppm hat Geschichte: Schon 1858 leitete der Münchner Hygieniker Max von Pettenkofer diesen Wert als Maßstab für „gute Stubenluft“ ab — der „Pettenkofer-Wert“ gilt im Kern bis heute.
Was zu viel CO₂ mit Körper und Kopf macht
CO₂ in Wohnraum-Konzentrationen ist kein Gift. Die Leitwerte des Umweltbundesamts sind hygienische Leitwerte: Werte über 1.000 ppm gelten dort als Anzeichen für zu wenig Lüftung, vor allem mit Blick auf Körpergerüche.
Dass schlecht gelüftete Räume Leistung und Wohlbefinden drücken können, ist dabei gut belegt: In einer vom UBA zitierten Interventionsstudie in Schulen führte die Senkung der mittleren CO₂-Konzentration von 1.300 auf 900 ppm zu einer signifikanten Leistungssteigerung der Kinder. Ob CO₂ selbst die Ursache ist oder andere Stoffe, die sich bei schlechter Lüftung mit anreichern, ist allerdings nicht abschließend geklärt; die Studienlage zu reinem CO₂ in diesem Bereich ist uneinheitlich. Beschwerden, die häufig mit stickiger, schlecht gelüfteter Luft in Verbindung gebracht werden:
- Müdigkeit und „schwerer Kopf“
- Nachlassende Konzentration — im Homeoffice, in Meetings und beim Lernen
- Kopfschmerzen bei längerem Aufenthalt
- Unruhiger Schlaf im ungelüfteten Schlafzimmer
Hinzu kommt ein indirekter Effekt: Hohe CO₂-Werte zeigen an, dass insgesamt zu wenig gelüftet wird — dann reichern sich auch Luftfeuchtigkeit, Gerüche und flüchtige Stoffe (VOC) an.
💡 Merksatz: CO₂ ist der beste einzelne Indikator für die Luftqualität — wo es hoch ist, stimmt meist auch der Rest der Raumluft nicht mehr.
Unsere Simulation: So schnell ist die Schlafzimmerluft „verbraucht“
Wie schnell wird es nachts wirklich kritisch? Publizierte Messstudien nennen fast nur Morgen- und Mittelwerte — den Verlauf über die Nacht haben wir deshalb selbst berechnet: mit einem Massenbilanz-Modell in 81 Szenarien (drei Raumgrößen, drei Belegungen, drei Fensterstellungen, je drei Gebäudedichtheiten).
Das Kernergebnis für das typische Szenario — 16 m², zwei Personen, Fenster und Tür geschlossen: Nach rund einer Stunde ist die 1.000-ppm-Marke gefallen, ab der das Umweltbundesamt die Luft als „hygienisch auffällig“ einstuft. Bis zum Morgen steigt der Wert auf etwa 2.100 ppm — in den Bereich „hygienisch inakzeptabel“.
So sehen die Werte für geschlossene Fenster je nach Raumgröße und Belegung aus (jeweils typische Gebäudedichtheit, 8 Stunden Nacht):
| Szenario (Fenster zu) | 1.000 ppm erreicht nach | Wert am Morgen |
|---|---|---|
| 12 m², 1 Person | 1 h 46 min | ca. 1.550 ppm |
| 12 m², 2 Personen | 43 min | ca. 2.650 ppm |
| 16 m², 1 Person | 2 h 50 min | ca. 1.250 ppm |
| 16 m², 2 Personen | 1 h 01 min | ca. 2.100 ppm |
| 20 m², 1 Person | 4 h 34 min | ca. 1.100 ppm |
| 20 m², 2 Personen | 1 h 22 min | ca. 1.750 ppm |
Schläft zusätzlich ein Kind im Raum, geht es deutlich schneller: Im 12-m²-Zimmer fällt die 1.000-ppm-Marke dann schon nach 29 Minuten, morgens stehen rund 3.550 ppm an.
In sehr dichten Neubauten liegen alle Werte noch höher — unsere dichteste Variante erreicht mit zwei Personen über 4.500 ppm, was zu realen Messungen passt: In Schlafzimmern wurden bei zwei Personen und geschlossenen Fenstern und Türen bis 4.300 ppm gemessen (Fehlmann und Wanner 1993), in Wohnungen mit dichten Fenstern 800 bis 4.300 ppm (Lundqvist und Revsbech, referiert im UBA-Papier 2008).
Der Fenster-Vergleich zeigt zugleich die Lösung: Ein gekipptes Fenster hält dasselbe Szenario die ganze Nacht bei rund 790 ppm — unter der Empfehlungsgrenze. Ein weit geöffnetes Fenster kommt auf etwa 530 ppm, nahe Außenluftniveau.
Und wer morgens stoßlüftet, braucht nach einer Nacht bei geschlossenem Fenster rechnerisch etwa eine Viertelstunde bei weit geöffnetem Fenster, bis der Wert von rund 2.100 auf etwa 600 ppm gefallen ist. Gerechnet ist das mit einem Luftwechsel von 8,8 pro Stunde, gemessen bei Stoßlüftung in einem Schlafzimmer bei Windstille (AnBUS-Messung, zitiert bei Münzenberg et al. 2003). Mit Durchzug geht es schneller; bei schwächerem Luftaustausch dauert es länger (mit 5 pro Stunde rund 27 Minuten).
Rechnen Sie Ihr eigenes Schlafzimmer durch: Raumgröße, Belegung und Fensterstellung einstellen — der Rechner nutzt exakt dieselben Formeln und Messwerte wie unsere Simulation und zeigt den nächtlichen Verlauf als Kurve.
Rechenweg: Ein-Zonen-Massenbilanz-Modell mit den Messwerten unserer CO₂-Simulation — 11 l CO₂/h je schlafendem Erwachsenen (Fan et al. 2021), 9 l/h je Kind (Annahme), Außenluft 420 ppm, Startwert 550 ppm, Luftwechsel geschlossen 0,3/h, gekippt 1,5/h, weit offen 5/h (Band: 0,1–0,5 / 0,8–3 / 2–9 je nach Gebäudedichtheit und Wind), Stoßlüften am Morgen 8,8/h (Messwert Schlafzimmer, windstill). Bewertung nach den Stufen des Umweltbundesamts. Orientierungswerte — gerechnet mit konstantem Luftwechsel und geschlossener Zimmertür.
Zur Methodik: Gerechnet wurde ein Ein-Zonen-Massenbilanz-Modell (ideal durchmischte Raumluft). Die Eingangswerte stammen aus Messstudien: CO₂-Abgabe schlafender Erwachsener 11 Liter pro Stunde (Messung der DTU Kopenhagen), Luftwechselraten 0,3/h für geschlossene, 1,5/h für gekippte und 5/h für nachts weit geöffnete Fenster (Tracergas- und Feldmessungen; als Spannen gerechnet), für das morgendliche Stoßlüften 8,8/h (Messwert Schlafzimmer, windstill), Außenluft 420 ppm (Modellannahme; der aktuelle globale Mittelwert liegt bei rund 427 ppm, auf die Ergebnisse wirkt sich das um weniger als 10 ppm aus). Die Ergebnisse wurden an sechs publizierten Messwerten aus realen Schlafzimmern gegengeprüft. Grenzen des Modells: konstante Luftwechselraten (real wind- und wetterabhängig), geschlossene Zimmertür (eine offene Tür senkt die Werte messbar), keine Undichtigkeits-Unterschiede innerhalb einer Nacht.
CO₂ messen: nur echte Sensoren zeigen echte Werte
Ohne Messgerät bleibt CO₂ unsichtbar — die Nase gewöhnt sich an „dicke Luft" innerhalb weniger Minuten. Zuverlässig messen Geräte mit NDIR-Sensor (nichtdispersive Infrarot-Technik), die das CO₂ direkt optisch bestimmen. Billige Geräte mit „eCO2"-Angabe schätzen den Wert dagegen nur aus anderen Gasen und lassen sich schon von Deo oder Desinfektionsmittel täuschen.
Praktisch bewährt haben sich Geräte mit Ampelanzeige (grün/gelb/rot), die auf einen Blick zeigen, wann gelüftet werden muss. Worauf es beim Kauf ankommt — Sensor, Kalibrierung, sinnvolle Extras — steht in der CO₂-Messgerät-Kaufberatung.
CO₂ senken: so bleibt der Wert unter 1.000 ppm
Es gibt genau einen wirksamen Weg, CO₂ aus der Wohnung zu bekommen: Luftaustausch. Kein Luftreiniger und keine Pflanze ersetzt ihn — HEPA-Filter halten Partikel zurück, lassen CO₂ aber ungehindert passieren.
- Stoßlüften statt kippen: Fenster mehrmals täglich weit öffnen, ideal mit Durchzug. Mit Durchzug ist die Raumluft nach wenigen Minuten weitgehend getauscht; bei nur einem offenen Fenster dauert es nach unserer Rechnung eher 15–30 Minuten — die Technik im Detail.
- Nach Belegung lüften: Je mehr Personen im Raum, desto öfter. Faustregel fürs Homeoffice: etwa alle 1–2 Stunden kurz stoßlüften — oder einfach, wenn die CO₂-Ampel auf Gelb springt.
- Schlafzimmer priorisieren: Vor dem Zubettgehen und direkt nach dem Aufstehen lüften; wer kann, lässt die Tür einen Spalt offen oder das Fenster gekippt (im Sommer). Im Winter gilt: kurz und kräftig lüften, dann verschwenden Sie kaum Heizenergie.
- Küche und Bad mitdenken: Gasherd und viele Kerzen erhöhen CO₂ zusätzlich — Dunstabzug nutzen, danach lüften.
- Dauerhaft dicke Luft trotz Lüften? Dann ist der Raum für die Personenzahl zu klein oder die Belüftung baulich unzureichend — hier helfen Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung.
CO₂ im Schlafzimmer reduzieren: 5 Maßnahmen im Vergleich
Nachts ist das Problem am größten — acht Stunden bei geschlossener Tür, kein Zwischenlüften. Die Rangfolge nach Wirkung ergibt sich direkt aus unserer Simulation (16 m², zwei Personen):
| Maßnahme | Wirkung auf den CO₂-Wert | Zu beachten |
|---|---|---|
| 1. Fenster nachts gekippt | hält den Raum die ganze Nacht bei rund 790 ppm statt 2.100 ppm | im Winter Heizverlust und Schimmelrisiko an der Laibung — Abwägung hier |
| 2. Zimmertür offen lassen | mehr Luftvolumen und Luftaustausch mit der Wohnung, senkt den Morgenwert messbar | wirkt nur, wenn die übrige Wohnung nicht ebenfalls belegt und geschlossen ist |
| 3. Vor dem Schlafen und nach dem Aufstehen stoßlüften | Start bei Frischluft-Niveau; morgens ist der Raum nach rund 15 Minuten bei weit geöffnetem Fenster wieder bei etwa 600 ppm | ersetzt die Nachtlüftung nicht — mit Fenster zu fällt die 1.000-ppm-Marke trotzdem nach etwa einer Stunde |
| 4. Belegung und Raumgröße | eine Person im 20-m²-Zimmer bleibt bis morgens knapp über 1.000 ppm, zwei im 12-m²-Zimmer erreichen 2.650 ppm | Kinderbett oder Hund im Raum erhöhen den Wert zusätzlich |
| 5. Dezentrale Lüftung mit Wärmerückgewinnung | dauerhafter Luftwechsel ohne offenes Fenster, auch im Winter | Anschaffung und Einbau; sinnvoll, wenn Kippen dauerhaft ausscheidet (Lärm, Heizkosten, Allergie) |
💡 Faustregel fürs Schlafzimmer: Fenster gekippt oder Tür offen — eines von beiden braucht es, sonst landet ein Doppelbett-Zimmer bis zum Morgen im Bereich „hygienisch inakzeptabel". Ein CO₂-Messgerät auf dem Nachttisch zeigt, ob Ihre Variante reicht.
Häufige Fragen
Welcher CO₂-Wert ist im Schlafzimmer normal?
Ohne Lüftung ist nichts „Normales" zu erwarten: Über Nacht steigen die Werte in geschlossenen Schlafzimmern auf 1.100 bis über 3.500 ppm — je nach Raumgröße, Belegung und Gebäudedichtheit (unsere Simulation oben; gemessen wurden bei zwei Personen bis 4.300 ppm, Fehlmann und Wanner 1993). Mit gekipptem Fenster oder offener Tür bleibt der Wert meist unter 1.000–1.500 ppm. Wer morgens wie gerädert aufwacht, sollte zuerst die nächtliche Lüftung verbessern.
Ab welchem CO₂-Wert wird es gefährlich?
Die in Wohnräumen erreichbaren Werte zeigen schlechte Lüftung an und können mit Müdigkeit und Konzentrationsproblemen einhergehen, sind aber nicht akut gefährlich. Gesundheitlich kritisch wird CO₂ erst bei Konzentrationen ab etwa 40.000 ppm (4 Volumenprozent), wie sie in Wohnungen praktisch nicht vorkommen. Die Innenraum-Leitwerte sind hygienische Leitwerte und dienen als Lüftungsanzeiger, keine Gefahrengrenzen.
Senken Zimmerpflanzen den CO₂-Gehalt?
Messbar, aber nicht relevant: Pflanzen binden tagsüber per Photosynthese etwas CO₂, geben nachts geringe Mengen ab. Gegen die rund 11 Liter CO₂, die schon ein schlafender Mensch pro Stunde ausatmet, kommt keine realistische Pflanzensammlung an. Fürs CO₂-Management zählt allein das Lüften.
Hilft ein Luftreiniger gegen CO₂?
Nein. Luftreiniger filtern Partikel wie Staub, Pollen und Sporen aus der Luft, CO₂ ist aber ein Gas und passiert jeden HEPA-Filter ungehindert. Gegen CO₂ hilft ausschließlich Luftaustausch — also Lüften oder eine Lüftungsanlage.
Warum zeigt mein Messgerät draußen nicht genau 400 ppm?
Die globale Außenluft liegt aktuell bei rund 425–430 ppm (NOAA, globales Monatsmittel Juni 2026: 427,6 ppm), örtlich schwankt der Wert aber — an Straßen und in Städten etwas höher, bei Wind niedriger. Zeigt Ihr Gerät an frischer Luft dauerhaft deutlich abweichende Werte (etwa 300 oder 600 ppm), sollten Sie es kalibrieren.
Wie kalibriere ich einen CO₂-Sensor?
Bei Geräten für den Hausgebrauch geht das meist ohne Prüfgas: Sensor für 15–20 Minuten an die Außenluft (Balkon oder weit geöffnetes Fenster, ohne direkte Sonne) und die Kalibrierfunktion des Herstellers starten — das Gerät setzt den aktuellen Wert auf seinen festen Frischluft-Referenzwert (je nach Hersteller meist 400–420 ppm). Viele NDIR-Sensoren kalibrieren sich automatisch (ABC-Verfahren) und nehmen dafür den niedrigsten Wert der letzten Tage als Außenluft an; das funktioniert nur, wenn der Raum regelmäßig durchgelüftet wird. Maßgeblich bleibt die Anleitung Ihres Geräts.
Wie schnell steigt CO₂ in einem geschlossenen Raum?
Unsere Simulation liefert konkrete Zahlen: Eine einzelne schlafende Person überschreitet die 1.000-ppm-Marke im geschlossenen 16-m²-Zimmer nach knapp drei Stunden, zwei Personen schon nach etwa einer Stunde, eine Familie mit Kind im kleinen Zimmer nach einer halben Stunde. Im Büro geht es wegen der höheren CO₂-Abgabe im Sitzen (15–20 Liter pro Stunde statt 11 im Schlaf) noch schneller.
Reicht nachts ein gekipptes Fenster gegen dicke Luft?
Fürs CO₂: ja. In unserer Simulation hält ein gekipptes Fenster das 16-m²-Schlafzimmer mit zwei Personen die ganze Nacht bei rund 790 ppm — unter der 1.000-ppm-Empfehlung. In der Heizperiode hat Dauerkippen aber einen Preis: Es verschwendet Heizenergie und begünstigt Schimmel an der kalten Fensterlaibung. Wie Sie beides abwägen, erklärt der Ratgeber Stoßlüften oder Kipplüften.
Fazit: CO₂ ist unsichtbar — aber steuerbar
CO₂ ist der ehrlichste Messwert der Raumluft: Er zeigt ohne Umwege, ob genug gelüftet wird. Halten Sie die 1.000-ppm-Marke als Alltagsziel, lüften Sie nach Bedarf statt nach Uhrzeit, und machen Sie den Wert mit einem NDIR-Messgerät sichtbar. Der Lohn: frischere Luft gerade im Schlafzimmer und ein Raumklima, in dem auch Feuchte und Gerüche unter Kontrolle bleiben.
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Quellen
- Umweltbundesamt (UBA) – „Gesundheitliche Bewertung von Kohlendioxid in der Innenraumluft" (Bundesgesundheitsblatt 11/2008: hygienische Leitwerte 1.000/2.000 ppm, CO₂ als Lüftungsindikator, Studienlage zu Leistung und Befinden, DIN EN 13779 IDA-Kategorien, ECA-Unzufriedenheitsraten). umweltbundesamt.de
- Fachportal Innenraumluft NRW – „Schadstoffe: Kohlendioxid" (Bewertung, Maßnahmen). innenraumluft.nrw.de
- Umweltbundesamt (UBA) – „Wie lüfte ich richtig?" umweltbundesamt.de
- Fan et al. (2021) – „Emission rate of carbon dioxide while sleeping", Indoor Air 31 (CO₂-Abgabe im Schlaf: 11,0 ± 1,4 L/h, DTU Kopenhagen). pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
- Fan et al. (2022) – „Air change rates during sleep in Danish bedrooms", CLIMA 2022 (gemessene Luftwechselraten in 84 Schlafzimmern). proceedings.open.tudelft.nl
- Münzenberg, Weithaas, Thumulla (2003) – „Luftwechsel im Gebäudebestand", 7. VDB-Pilztagung (Tracergas-Messungen im Bestand; AnBUS-Messwerte Schlafzimmer: gekippt 1,2/h, Stoßlüftung 8,8/h). baubiologie.net
- NOAA Global Monitoring Laboratory – „Trends in Atmospheric Carbon Dioxide: Global" (globales Monatsmittel Juni 2026: 427,6 ppm). gml.noaa.gov
- Fehlmann, Wanner (1993) – „Indoor climate and indoor air quality in residential buildings", Indoor Air 3 (Schlafzimmer, 2 Personen, Fenster und Türen zu: bis 4.300 ppm), referiert in der österreichischen Richtlinie zur Bewertung der Innenraumluft, Teil Kohlenstoffdioxid, S. 11. oeaw.ac.at (PDF); Lundqvist und Revsbech (Schlafräume in 33 Wohnungen mit dichten Fenstern: 800–4.300 ppm) referiert in Quelle 1, S. 1360.
Alle ppm-Werte entsprechen den genannten Quellen (Stand: September 2026). Die Simulationswerte sind eigene Berechnungen (Massenbilanz-Modell) auf Basis der Messwerte aus den Quellen 4–6; sie hängen von Raumgröße, Personenzahl und Gebäudedichtheit ab.
