Optimale Luftfeuchtigkeit in der Wohnung: Idealwerte je Raum und im Winter

Kurzantwort: Die optimale relative Luftfeuchtigkeit in der Wohnung liegt laut Umweltbundesamt bei 40 bis 60 Prozent. Dauerhaft über 60 Prozent steigt die Schimmelgefahr, unter 30 Prozent wird die Luft zu trocken. Für den Winter haben wir nachgerechnet: In einem 20 °C warmen Raum ergibt unser Modell von Dezember bis März im Monatsmittel rund 40 bis 50 Prozent. Das sind Orientierungswerte, keine festen Grenzen.

Die Luftfeuchtigkeit ist – neben der Temperatur – der wichtigste Faktor für ein gesundes Raumklima. Sie entscheidet darüber, ob Sie sich in Ihren Räumen wohlfühlen, ob Schimmel entsteht und ob Ihre Atemwege gereizt werden.

Auf dieser Seite finden Sie die wichtigsten Idealwerte im Überblick, die empfohlenen Werte für jeden einzelnen Raum sowie konkrete Maßnahmen, um die Luftfeuchtigkeit zu regulieren. Von hier aus gelangen Sie zu allen vertiefenden Artikeln dieser Themensäule.

Sketchnote einer Hygrometer-Skala mit farbig markiertem Optimalbereich: 40 bis 60 Prozent relative Luftfeuchtigkeit sind ideal, darunter ist die Luft zu trocken, darüber zu feucht.

Was bedeutet „relative Luftfeuchtigkeit“ eigentlich?

Wenn von Luftfeuchtigkeit die Rede ist, ist fast immer die relative Luftfeuchtigkeit gemeint. Sie wird in Prozent angegeben.

Der Wert beschreibt, wie viel Wasserdampf die Luft im Verhältnis zu ihrer maximalen Aufnahmefähigkeit enthält. 50 Prozent bedeuten also: Die Luft ist zur Hälfte mit Wasserdampf gesättigt.

Entscheidend ist dabei der Zusammenhang mit der Temperatur. Warme Luft kann deutlich mehr Wasserdampf aufnehmen als kalte Luft. Kühlt warme, feuchte Luft an einer kalten Wand ab, sinkt ihre Aufnahmefähigkeit – und das Wasser schlägt sich als Kondensat nieder. Genau hier entsteht Schimmel.

💡 Faustregel: Nicht der absolute Wassergehalt ist gefährlich, sondern was an den kältesten Stellen im Raum passiert. Eine kalte Außenwand kann schon bei 60 Prozent Raumluftfeuchte feucht genug für Schimmel werden.

Wer die Werte messen möchte, braucht ein einfaches Hygrometer. Damit behalten Sie die Feuchtigkeit in jedem Raum im Blick.


Normale und optimale Luftfeuchtigkeit in der Wohnung: 40 bis 60 Prozent

Das Umweltbundesamt empfiehlt für Wohnräume eine relative Luftfeuchte zwischen 40 und 60 Prozent. Dieser Korridor gilt als bester Kompromiss zwischen mehreren Anforderungen.

In diesem Bereich treffen mehrere Vorteile zusammen:

  • Die Schleimhäute in Nase und Rachen bleiben feucht und damit widerstandsfähig gegen Krankheitserreger.
  • Das Risiko für Schimmelpilze sinkt, sofern auch die Wandoberflächen ausreichend warm und trocken bleiben.
  • Hausstaubmilben vermehren sich bei trockenerer Luft langsamer.
  • Das Empfinden ist für die meisten Menschen angenehm – weder klamm noch staubtrocken.

Als grober Orientierungswert hat sich 50 Prozent als „goldene Mitte“ etabliert. Wichtig: Es handelt sich um Richtwerte, keine starren Grenzen. Kurzzeitige Schwankungen – etwa nach dem Duschen oder Kochen – sind völlig normal und unbedenklich, solange die Feuchtigkeit anschließend wieder durch Lüften abgeführt wird.

Wie hoch darf die Luftfeuchtigkeit höchstens sein? Als Obergrenze für Wohnräume gelten 60 Prozent – kurzzeitig überschritten ist das unkritisch, dauerhaft nicht. Im Badezimmer werden direkt nach dem Duschen 70 bis 80 Prozent erreicht – das ist normal, muss aber durch Lüften zügig wieder absinken.

💡 Faustregel: 40 bis 60 Prozent sind ideal. Kurzfristig über 60 Prozent ist kein Problem – dauerhaft schon.


Welche Luftfeuchtigkeit ist normal? Sommer und Winter im Vergleich

Normal und optimal sind nicht dasselbe: Optimal sind das ganze Jahr 40 bis 60 Prozent, welche Werte Ihr Hygrometer tatsächlich anzeigt, hängt aber stark von der Jahreszeit ab.

Der Grund ist physikalisch: Kalte Winterluft enthält wenig Wasser. Wird sie beim Lüften hereingeholt und aufgeheizt, sinkt die relative Luftfeuchte. Werte zwischen 30 und 50 Prozent sind in beheizten Räumen im Winter deshalb normal; die Verbraucherzentrale Niedersachsen empfiehlt für den Winter sogar 30 bis 45 Prozent, weil das an kalten Außenwänden Reserve lässt. Im Sommer ist es umgekehrt: Warme Außenluft bringt viel Feuchtigkeit mit, Werte um 60 Prozent und darüber sind dann keine Seltenheit – meist unkritisch, weil warme Wände kaum Kondenswasser ansetzen.

Jahreszeit Typische Werte in bewohnten Räumen Einordnung
Winter (grobe Orientierung) 30–50 % im milden Herbst sind höhere Werte möglich; dauerhaft unter 30 % zu trocken
Frühjahr/Herbst 40–60 % Idealbereich meist ohne Zutun erreichbar
Sommer 55–65 % normal; kritisch vor allem in kühlen Kellern

Die Werte sind typische Spannen, keine Zielvorgaben. In schlecht gedämmten Gebäuden sollte die Raumluftfeuchte im Winter laut Umweltbundesamt sogar unter 50 Prozent bleiben, damit kalte Außenwände trocken bleiben. Was in der Heizperiode konkret hilft, zeigt der Ratgeber Luftfeuchtigkeit im Winter; für den Sonderfall kühler Räume im Sommer lohnt der Blick in den Keller-Ratgeber.

Nachgerechnet: Modellwerte der Luftfeuchtigkeit in der Heizperiode

Für einen 20 °C warmen Raum ergibt unser Modell im Januar rund 39 bis 49 Prozent Luftfeuchte, im Oktober 54 bis 59 Prozent. Das ergibt unsere Rechnung aus zwei Bausteinen: dem Wassergehalt der Außenluft (Monatsmittel aus Stundenwerten des Deutschen Wetterdienstes, sechs Stationen, 2016–2025) und dem Feuchteüberschuss, den bewohnte Räume gegenüber der Außenluft haben.

Der erste Baustein erklärt, warum Heizungsluft trocken wirkt. Januarluft hat draußen bei 2,5 °C im Mittel 84 Prozent relative Feuchte, trägt aber nur 4,96 Gramm Wasser je Kubikmeter. Auf 20 °C erwärmt, entspricht das knapp 30 Prozent – bevor im Haushalt auch nur ein Topf gekocht wurde.

Den zweiten Baustein liefert eine Messreihe des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik: Hartwig M. Künzel hat in zehn Wohnräumen gemessen, wie viel feuchter die Raumluft ist als die Außenluft (IBP-Mitteilung 314, 1997). Der Überschuss wächst mit der Kälte, nach Künzels Erklärung, weil bei Kälte weniger gelüftet wird. Künzels Formel: Feuchteüberschuss = Feuchtelastfaktor × (20 °C − Außentemperatur), mit 0,1 g/(m³·K) als Obergrenze geringer und 0,2 g/(m³·K) als Obergrenze normaler Feuchtelast. Diese Faktoren orientieren sich am Mittel bzw. an der höchsten Feuchtelast der zehn untersuchten Räume.

Monat Außenluft (Mittel) ohne Haushaltsfeuchte (Näherung) Modell: fL = 0,1 Modell: fL = 0,2
Oktober 11,4 °C · 8,46 g/m³ 49 % 54 % 59 %
November 6,0 °C · 6,32 g/m³ 37 % 45 % 53 %
Dezember 3,7 °C · 5,53 g/m³ 32 % 42 % 51 %
Januar 2,5 °C · 4,96 g/m³ 29 % 39 % 49 %
Februar 4,0 °C · 5,07 g/m³ 29 % 39 % 48 %
März 6,4 °C · 5,29 g/m³ 31 % 39 % 46 %

Eigene Modellrechnung. Die Vergleichsspalte ohne Haushaltsfeuchte überträgt den Wassergehalt in g/m³ vereinfacht unverändert auf 20 °C. Mit Volumenausdehnung beim Erwärmen wären es im Januar rund 27 statt 29 Prozent. Raumluftfeuchte bei 20 °C; Wassergehalt bei Sättigung 17,24 g/m³ nach der Magnus-Formel (17,62 / 243,12 °C). Beispiel Januar, Modell mit fL = 0,2: 4,96 + 0,2 × (20 − 2,5) = 8,46 g/m³, geteilt durch 17,24 g/m³ = 49 %. Künzel wendet die Formel ausdrücklich nur auf Monatsmittel an; einzelne Tage schwanken stärker.

Die folgenden Modellwerte gelten für Monatsmittel bei 20 °C und den verwendeten langjährigen Außenmittelwerten. Einzelne Ablesungen oder wenige Messtage lassen sich damit nicht zuverlässig einordnen:

  • Unter 30 Prozent im Hochwinter: kann bei sehr kalter Außenluft auch mit einem deutlichen Feuchtebeitrag des Haushalts vorkommen. Aus diesem Wert allein lässt sich die Feuchteproduktion nicht ablesen; dauerhaft gilt er als zu trocken (mehr dazu bei Luftfeuchtigkeit zu niedrig).
  • Rund 40 bis 50 Prozent von Dezember bis März: die Spanne unserer beiden Modellansätze bei den verwendeten Außenmittelwerten. Wärmere Räume zeigen weniger: Bei 22 °C liegt jeder Wert um rund ein Achtel niedriger (aus 45 werden etwa 40 Prozent).
  • Über 50 Prozent im Januar: oberhalb unseres Modellwerts für fL = 0,2 bei den verwendeten Außenmittelwerten. Anderes Wetter kann den Wert ebenfalls erhöhen; die Zahl allein belegt weder hohe Feuchteproduktion noch zu wenig Luftaustausch. In schlecht gedämmten Wohnungen empfiehlt das UBA im Winter dennoch Werte unter 50 Prozent.
  • 55 bis 60 Prozent im Oktober: ungefähr im Bereich unserer Modellwerte; daraus folgt keine Entwarnung für kalte Außenwände. Wie oft Sie in diesem Monat lüften müssen, rechnet der Lüftungsrechner für Ihre Wohnung aus.

💡 Faustregel: Unsere Modellwerte unterscheiden sich nach Monat: 45 Prozent liegen im Januar innerhalb, im Oktober unterhalb der berechneten Spanne. Ob Ihre Wohnung zu feucht ist, hängt zusätzlich von Wetter und Wandtemperaturen ab.

In der Heizperiode trocknet Lüften im Herbst am schlechtesten

Im Oktober trocknet Lüften die Wohnung am schlechtesten, weil die Außenluft dann noch viel Wasser trägt.

Wir haben 525.466 Stundenwerte des Deutschen Wetterdienstes (sechs Stationen, 2016–2025) ausgewertet und für jede Stunde den Wassergehalt der Außenluft bestimmt – also wie viel Trocknung Lüften im jeweiligen Monat überhaupt bewirken kann.

Balkendiagramm: Wassergehalt der Außenluft je Monat der Heizperiode. Oktober 8,46 Gramm je Kubikmeter, Januar 4,96. Um 60 Prozent Raumluftfeuchte zu halten, braucht der Oktober 2,9-mal so viel Luftaustausch wie der Januar.

Im Oktober trägt die Außenluft 71 Prozent mehr Wasser als im Januar (8,46 gegenüber 4,96 Gramm je Kubikmeter). Im Januar ist die Außenwand zwar am kältesten – aber die trockene Außenluft entfeuchtet die Wohnung bei jedem Lüften. Genau deshalb sind die 30 bis 50 Prozent aus der Tabelle im Hochwinter überhaupt erreichbar. Im Oktober ist die Wand schon kühl und die Außenluft noch feucht: Für einen Zielwert von 60 Prozent bei 20 °C müsste dieselbe Wohnung bei gleicher Feuchteproduktion rund dreimal so viel Luft austauschen wie im Januar. Für niedrigere Zielwerte gilt dieser Faktor nicht.

Außenfeuchte: Monatsmittel aus DWD-Stundenwerten, absolute Feuchte nach der Magnus-Formel. Das Luftwechsel-Verhältnis folgt aus einer stationären Feuchtebilanz bei 20 °C und 60 % Zielwert; Wohnungsgröße und Personenzahl kürzen sich heraus. Zwischen 18 und 22 °C liegt der Faktor für allein durch Lüften erreichbare Zielwerte bis 65 % nicht unter 1,8. Liegt die Außenkonzentration bereits über der Zielkonzentration im Raum, ist der Zielwert bei positiver Feuchteproduktion durch Lüften allein nicht erreichbar.


Empfohlene Luftfeuchtigkeit in Wohnräumen: Idealwerte je Raum

Nicht jeder Raum braucht dieselben Werte. Temperatur und Nutzung unterscheiden sich, und damit auch die sinnvolle Luftfeuchtigkeit. Die folgende Tabelle enthält unsere eigenen Orientierungswerte: Sie bauen auf dem Korridor von 40–60 % (Umweltbundesamt, Verbraucherzentrale) und den UBA-Raumtemperaturen auf; die raumweisen Feuchtespannen für Küche, Bad, Keller und Schlafzimmer sind keine Behördenvorgaben.

Skizzierter Wohnungsgrundriss mit Hygrometer-Schildern je Raum: Wohnzimmer rund 20 Grad und 40 bis 60 Prozent, Schlafzimmer 16 bis 18 Grad, Küche 50 bis 60 Prozent, Bad 22 bis 23 Grad und kurzfristig bis 70 Prozent Luftfeuchte.
Raum Empfohlene Temperatur Ideale Luftfeuchtigkeit
Wohnzimmer rund 20 °C 40–60 %
Schlafzimmer rund 17 °C (nicht unter 16 °C) 40–60 %, abends besser 45–55 %
Küche rund 18 °C 50–60 % (kurzfristig höher beim Kochen)
Badezimmer 22–23 °C (zur Nutzung) 50–70 % kurzfristig, nach dem Lüften unter 60 %
Kinderzimmer rund 20 °C 40–60 %
Arbeitszimmer rund 20 °C 40–60 %
Flur/Treppenhaus 15–18 °C 40–60 %
Keller (unbeheizt, Lager) 10–15 °C 50–65 %
Keller (bewohnt/beheizt) 18–20 °C 40–60 %

Die Temperaturwerte orientieren sich an den Empfehlungen des Umweltbundesamtes: im Wohnbereich „möglichst nicht mehr als 20 °C“, 18 °C in der Küche und 17 °C im Schlafzimmer (UBA-Energiespartipps); Schlafräume sollten laut UBA möglichst nicht unter 16 °C abkühlen. Diese Werte sparen Heizenergie und reichen für ein behagliches Klima aus. Der unbeheizte Keller darf etwas feuchter sein, weil dort nicht geheizt wird – sobald er als Hobbyraum oder Büro genutzt und beheizt wird, gilt der Wohnraum-Korridor.

💡 Faustregel: Je kühler ein Raum, desto wichtiger ist konsequentes Lüften. Kalte Räume erreichen schneller die kritische Feuchte an den Wänden.

Für die Details lohnt sich der Blick in die jeweiligen Spezialartikel:


Woher kommt die Feuchtigkeit in der Wohnung?

Viele unterschätzen, wie viel Wasserdampf in einem Haushalt täglich entsteht. Schon allein durch das Atmen und Schwitzen gibt jeder Mensch rund 1 bis 1,5 Liter Wasser pro Tag an die Raumluft ab.

Hinzu kommen die alltäglichen Aktivitäten. Ein Haushalt mit drei bis vier Personen gibt insgesamt etwa 6 bis 12 Liter Wasser pro Tag an die Raumluft ab (Umweltbundesamt für drei, Verbraucherzentrale für vier Personen) – Wasser, das vollständig in der Raumluft landet.

Die wichtigsten Feuchtequellen im Überblick:

  • Atmen und Schwitzen: ca. 1–1,5 Liter pro Person und Tag
  • Duschen und Baden: ca. 0,2–0,5 Liter pro Vorgang (DIN/TS 4108-8: 5 Minuten Duschen rund 217 g, Abtrocknen rund 70 g)
  • Kochen: ca. 0,5–1,5 Liter pro Mahlzeit
  • Wäsche trocknen in der Wohnung: rund 2,5 Liter pro Maschinenladung (5 kg, geschleudert; DIN/TS 4108-8), mehr bei schwacher Schleuder
  • Zimmerpflanzen: je nach Größe bis zu 0,5 Liter pro Tag

Diese Mengen verdeutlichen, warum regelmäßiges Lüften unverzichtbar ist. Ohne Luftaustausch bleibt die Feuchtigkeit im Raum – und steigt langsam bis in den kritischen Bereich.

Sketchnote der Feuchtequellen im Haushalt: Atmen 1 bis 1,5 Liter pro Tag, Duschen 0,2 bis 0,5 Liter pro Vorgang, Kochen 0,5 bis 1,5 Liter pro Mahlzeit, Wäschetrocknen rund 2,5 Liter pro Ladung, Zimmerpflanzen bis zu 0,5 Liter pro Tag.

Zu hohe Luftfeuchtigkeit: Schimmel und seine Folgen

Eine dauerhaft zu hohe Luftfeuchtigkeit ist das häufigste Raumklima-Problem in deutschen Wohnungen. Das Umweltbundesamt empfiehlt, 60 Prozent nicht dauerhaft zu überschreiten.

Wird es dauerhaft feuchter, steigt das Risiko spürbar:

  • Bei über 70 Prozent Raumluftfeuchte besteht über längere Zeit ein erhebliches Schimmelrisiko.
  • Entscheidend ist die Feuchte direkt an der Wandoberfläche: Ab etwa 80 Prozent relativer Feuchte an der Oberfläche können die meisten Schimmelpilze wachsen. Dieser Wert ist in der Bauphysik-Norm DIN 4108-2 als Mindestkriterium verankert; ein Optimum für Schimmel ist er nicht, das liegt noch höher.

Der wichtige Unterschied: Raumluftfeuchte ist nicht gleich Oberflächenfeuchte. Schon 60 Prozent Feuchte im Raum können an einer kühlen, schlecht gedämmten Außenwand zu 80 Prozent direkt an der Wand führen – und damit zu Schimmel, obwohl der Raumwert noch „in Ordnung“ wirkt.

Mögliche Folgen zu hoher Luftfeuchtigkeit:

  • Schimmelbildung an Wänden, in Ecken und hinter Möbeln
  • Stockflecken und muffiger Geruch
  • Vermehrung von Hausstaubmilben (relevant für Allergiker)
  • Beschädigung von Bausubstanz, Tapeten und Einrichtung
  • Gesundheitliche Beschwerden durch Schimmelsporen

Wie Sie zu hohe Werte erkennen und senken, erfahren Sie ausführlich im Artikel Luftfeuchtigkeit zu hoch – Ursachen und Lösungen. Bei akutem Befall hilft die Schimmel-Übersichtsseite weiter. Technische Unterstützung bieten Geräte aus unserem Luftentfeuchter-Vergleich.

💡 Faustregel: Beschlägt ein modernes Wärmeschutzfenster morgens in der Scheibenmitte, ist die Luft im Raum zu feucht, und Sie sollten gegensteuern. Alte Isolier- oder Einfachglasfenster beschlagen bei Frost dagegen schon bei normaler Raumluft (nachgerechnet in Kondenswasser am Fenster).


Zu niedrige Luftfeuchtigkeit: trockene Luft im Winter

Das gegenteilige Problem tritt vor allem in der Heizperiode auf. Kalte Außenluft enthält wenig Wasser. Wird sie aufgeheizt, sinkt die relative Luftfeuchtigkeit – oft unter 30 Prozent.

Werte dauerhaft unter 30 Prozent gelten als zu trocken. Sie sind selten ein Bauschadens-Risiko, können aber das Wohlbefinden beeinträchtigen.

Typische Anzeichen und Folgen trockener Luft:

  • Gereizte, trockene Schleimhäute in Nase und Rachen
  • Erhöhte Anfälligkeit für Erkältungen, da die Schleimhäute weniger schützen
  • Trockene, juckende Haut und gereizte Augen
  • Vermehrte statische Aufladung
  • Belastung empfindlicher Holzmöbel und Instrumente

Wichtig zur Einordnung: Im Winter ist es meist normal, dass die Luftfeuchtigkeit etwas sinkt. Das Umweltbundesamt weist sogar darauf hin, dass die Feuchtigkeit in schlecht gedämmten Wohnungen im Winter besser unter 50 Prozent bleiben sollte, um Schimmel an kalten Wänden zu vermeiden.

Trockene Luft lässt sich oft schon mit einfachen Mitteln verbessern, bevor ein Gerät nötig wird. Die Details lesen Sie im Artikel Luftfeuchtigkeit zu niedrig sowie im Schwerpunkt zur Luftfeuchtigkeit im Winter. Wenn ein Gerät sinnvoll ist, hilft unser Luftbefeuchter-Vergleich bei der Auswahl.


Folgen im direkten Vergleich

Die folgende Tabelle stellt die typischen Auswirkungen gegenüber – als schnelle Orientierung, wohin die Reise geht, wenn die Werte aus dem optimalen Bereich rutschen.

Aspekt Zu niedrig (unter ca. 30 %) Optimal (40–60 %) Zu hoch (dauerhaft über 60 %)
Schleimhäute trocken, gereizt feucht, widerstandsfähig feucht, eher unkritisch
Infektanfälligkeit erhöht gering leicht erhöht (Keime, Milben)
Schimmelrisiko sehr gering gering hoch
Hausstaubmilben wenige weniger (Allergiker: besser unter 50 %) viele
Bausubstanz durch die niedrige Raumluftfeuchte nicht gefährdet bei ausreichend warmen, trockenen Oberflächen unkritisch gefährdet
Empfinden staubig, trocken behaglich klamm, schwül
Sketchnote-Tachometer als Stimmungsbarometer für das Raumklima mit drei Zonen: zu trocken unter 30 Prozent, optimal 40 bis 60 Prozent, zu feucht dauerhaft über 60 Prozent relative Luftfeuchte.

So regulieren Sie die Luftfeuchtigkeit richtig

Die gute Nachricht: In den meisten Fällen lässt sich die Luftfeuchtigkeit ohne teure Technik in den optimalen Bereich bringen. Die wichtigsten Hebel sind Lüften und Heizen.

Richtig lüften (Stoßlüften statt Kippstellung)

Das Umweltbundesamt empfiehlt Stoßlüften mit weit geöffneten Fenstern statt dauerhaft gekippter Fenster.

  • Im Winter: 2- bis 3-mal täglich für etwa 5 Minuten weit öffnen
  • Im Sommer: 10 bis 20 Minuten pro Lüftung, je nach Temperatur und Wind
  • Schlafzimmer: morgens nach dem Aufstehen 5 bis 10 Minuten lüften
  • Küche und Bad: während und direkt nach Kochen oder Duschen lüften
  • Querlüften: gegenüberliegende Fenster gleichzeitig öffnen für schnellen Luftaustausch

Gekippte Fenster bringen kaum Luftaustausch, kühlen aber die Wände rund um das Fenster aus – das fördert Schimmel sogar.

💡 Faustregel: Lieber kurz und kräftig als lang und halb. Fünf Minuten weit offen tauschen mehr Luft als eine Stunde Kippstellung.

Richtig heizen

Konsequentes Heizen hält die Wandoberflächen warm und verhindert, dass sich dort Feuchtigkeit niederschlägt. Kühlen Sie einzelne Räume nie vollständig aus – auch wenig genutzte Zimmer sollten beheizt bleiben.

Schließen Sie beim Lüften die Heizkörperventile kurz und drehen Sie sie danach wieder auf. Halten Sie zwischen verschieden warmen Räumen die Türen geschlossen, damit feuchtwarme Luft nicht in kühlere Räume zieht und dort kondensiert.

Weitere praktische Maßnahmen

  • Wäsche möglichst nicht in der Wohnung trocknen – und falls doch, den Raum gut lüften
  • Möbel mindestens einige Zentimeter von kalten Außenwänden abrücken, damit die Luft zirkulieren kann
  • Beim Kochen Deckel auf die Töpfe und die Dunstabzugshaube nutzen
  • Die Werte mit einem Hygrometer kontrollieren

Reichen diese Maßnahmen nicht aus, kommen Geräte ins Spiel: ein Luftentfeuchter bei zu feuchter Luft, ein Luftbefeuchter bei zu trockener Luft. Für kleine, geschlossene Bereiche wie Kleiderschrank, Auto oder Abstellkammer genügt oft ein stromloses Granulat – wann das reicht und wann es ein elektrisches Gerät sein muss, klärt der Vergleich Granulat-Entfeuchter oder elektrischer Entfeuchter.


Wie misst man die Luftfeuchtigkeit? Mit dem Hygrometer

Ohne Messung bleibt die Beurteilung Gefühlssache – und das Gefühl täuscht oft. Gemessen wird die relative Luftfeuchtigkeit mit einem Hygrometer: Ein digitales Gerät kostet wenig und zeigt den Wert zuverlässig an, viele Modelle zusätzlich die Temperatur.

Für einen aussagekräftigen Wert platzieren Sie das Hygrometer in Raummitte oder an einer Innenwand – nicht direkt an Fenster, Tür oder Heizung. Lesen Sie die Anzeige über mehrere Tage morgens und abends ab, um den Verlauf und Feuchtespitzen zu erkennen. Die Tabelle oben beschreibt dagegen Monatsmodellwerte bei festgelegten Außenbedingungen. Ein Mittel aus wenigen Ablesungen ist damit nicht direkt vergleichbar; für ein Monatsmittel müssten Sie über den ganzen Monat regelmäßig messen.

Rechnen Sie mit einer Messtoleranz: Hersteller geben für Raumhygrometer typischerweise einige Prozentpunkte an (etwa ± 3 % rF). Zeigt Ihr Gerät knapp 60 Prozent, kann der wahre Wert darüber oder darunter liegen. Mit dem Salztest (gesättigte Kochsalzlösung, rund 75 Prozent) prüfen Sie die Anzeige an diesem Referenzpunkt; eine richtige Anzeige dort garantiert keine ebenso genaue Messung bei 60 Prozent.

Sinnvoll ist mindestens ein Gerät in den kritischen Räumen: Schlafzimmer, Bad und in jedem Raum mit Außenwand, an dem Sie schon einmal Feuchtigkeit bemerkt haben.

Worauf es bei Auswahl und Aufstellung ankommt – etwa der richtige Abstand zu Fenster und Heizung – erklärt der Ratgeber Hygrometer: Luftfeuchtigkeit richtig messen.


Häufige Fragen zur optimalen Luftfeuchtigkeit

Welche Luftfeuchtigkeit ist normal in der Wohnung?

Als grobe Orientierung gelten im Winter häufig 30 bis 50 Prozent, im Sommer auch 60 Prozent und mehr. Im milden Herbst liegen die Werte oft höher als im Winter. Unser Modell ergibt für einen 20 °C warmen Raum im Januar rund 39 bis 49 Prozent, im Oktober 54 bis 59 Prozent; das sind Orientierungswerte, keine festen Grenzen.

40 bis 60 Prozent bleiben der allgemeine Orientierungsbereich. Bei schlecht gedämmten Wohnungen sollten es im Winter laut UBA normalerweise unter 50 Prozent sein; kalte Wandflächen können auch innerhalb des allgemeinen Korridors Handlungsbedarf begründen.

Wie hoch darf die Luftfeuchtigkeit in der Wohnung sein?

Dauerhaft sollte die Luftfeuchtigkeit in Wohnräumen 60 Prozent nicht überschreiten – so die Empfehlung des Umweltbundesamts. Kurzzeitige Spitzen nach dem Duschen oder Kochen sind unbedenklich, wenn Sie anschließend lüften. Im Badezimmer werden direkt nach dem Duschen 70 bis 80 Prozent erreicht; nach dem Lüften sollte der Wert wieder unter 60 Prozent liegen. Im Rest der Wohnung sind solche Spitzen nicht vorgesehen.

Ab welcher Luftfeuchtigkeit entsteht Schimmel?

Entscheidend ist die Feuchte direkt an der Wandoberfläche. Ab etwa 80 Prozent relativer Feuchte an der Oberfläche wachsen nahezu alle Schimmelpilze. Das kann schon bei 60 Prozent Raumluftfeuchte passieren, wenn eine Außenwand kalt ist. Das Umweltbundesamt rät, 60 Prozent Raumluftfeuchte nicht dauerhaft zu überschreiten.

Wie hoch sollte die Luftfeuchtigkeit im Schlafzimmer sein?

Auch im Schlafzimmer sind 40 bis 60 Prozent ideal, bei einer Temperatur von etwa 16 bis 18 °C. Wichtig ist, morgens nach dem Aufstehen 5 bis 10 Minuten kräftig zu lüften, da über Nacht viel Feuchtigkeit entsteht. Mehr dazu im Schlafzimmer-Ratgeber.

Ist trockene Luft im Winter schädlich?

Sehr trockene Luft unter 30 Prozent ist meist kein Bauschadens-Risiko, kann aber Schleimhäute reizen und die Infektanfälligkeit erhöhen. Im Winter ist ein leichtes Absinken normal. Tipps gegen zu trockene Luft liefert der Artikel Luftfeuchtigkeit zu niedrig.


Fazit

40 bis 60 Prozent relative Luftfeuchtigkeit sind ein allgemeiner Orientierungsbereich für Wohnräume. An kalten Außenwänden kann die Feuchte trotzdem zu hoch sein; in schlecht gedämmten Wohnungen empfiehlt das UBA im Winter normalerweise unter 50 Prozent.

Die wichtigsten Werkzeuge dafür sind kostenlos: regelmäßiges Stoßlüften und konsequentes Heizen. Ein günstiges Hygrometer macht die unsichtbare Feuchtigkeit sichtbar. Erst wenn diese Grundlagen nicht ausreichen, lohnt sich der Griff zu Luftentfeuchter oder Luftbefeuchter.

Vertiefen Sie einzelne Themen über die verlinkten Ratgeber dieser Säule – vom Schlafzimmer bis zum Sonderfall Keller.


Quellen

  • Umweltbundesamt (UBA): „Wie lüfte ich richtig? – Tipps und Tricks zur Schimmelvermeidung“ sowie „Richtiges Heizen schützt das Klima und den Geldbeutel“ – Empfehlung 40–60 % relative Luftfeuchte, Stoßlüften-Empfehlungen, Raumtemperaturen (Wohnbereich ca. 20 °C, Küche 18 °C, Schlafzimmer 17 °C). https://www.umweltbundesamt.de/themen/gesundheit/umwelteinfluesse-auf-den-menschen/schimmel/wie-luefte-ich-richtig-tipps-tricks-zur und https://www.umweltbundesamt.de/umwelttipps-fuer-den-alltag/richtiges-heizen-schuetzt-das-klima-den-geldbeutel
  • Verbraucherzentrale (Energieberatung): „Gesundes Raumklima“ und „Heizen und Lüften: So geht’s richtig“ – Idealwerte 40–60 %, Hinweis 60 % nicht dauerhaft überschreiten, raumweise Temperatur- und Feuchteempfehlungen. https://verbraucherzentrale-energieberatung.de/sanieren-bauen/schimmel-feuchte/gesundes-raumklima/ und https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/energie/strom-sparen/heizen-und-lueften-so-gehts-richtig-10426
  • Umweltbundesamt (UBA): „Richtig Heizen, Schimmelbildung vermeiden“ – Raumlufttemperatur in Schlafräumen „möglichst nicht unter 16 °C“. https://www.umweltbundesamt.de/themen/gesundheit/umwelteinfluesse-auf-den-menschen/schimmel/richtig-heizen-schimmelbildung-vermeiden
  • DIN/TS 4108-8 (Feuchtelasten): 5 Minuten Duschen ca. 217 g, Abtrocknen ca. 70 g, 5 kg Wäsche geschleudert 2.500 g. Zitiert nach: Horschler, Solcher, Schmitz – „Studie zum Lüften im Wohnungsbau“, Mai 2021, Tab. 4. https://www.vbi.de/wp-content/uploads/2021/05/Studie-Lueftung-im-Wohnungsbau.pdf
  • Verbraucherzentrale Niedersachsen: „Schimmel in der Wohnung – vorbeugen und handeln“ – empfohlene Raumluftfeuchte im Winter 30–45 %, im Sommer 45–65 %. https://www.verbraucherzentrale-niedersachsen.de/wissen/energie/erneuerbare-energien/schimmel-in-der-wohnung-vorbeugen-und-handeln-120154
  • Künzel, H. M. (1997): „Raumluftfeuchteverhältnisse in Wohnräumen“, IBP-Mitteilung 24, Nr. 314, Fraunhofer-Institut für Bauphysik – Messungen in zehn Wohnräumen, Feuchteüberschuss = Feuchtelastfaktor × (20 °C − Außentemperatur), Faktor 0,1 bzw. 0,2 g/(m³·K), nur für Monatsmittel. https://www.ibp.fraunhofer.de/content/dam/ibp/ibp-neu/de/dokumente/ibpmitteilungen/1-400/301-400/314_IBPmitteilung.pdf
  • Deutscher Wetterdienst, Climate Data Center: stündliche Lufttemperatur und relative Feuchte, sechs Stationen (Essen, Frankfurt, Hamburg, Leipzig, München, Potsdam), 2016–2025, eigene Auswertung (Monatsmittel der absoluten Feuchte nach der Magnus-Formel).
  • DIN 4108-2 (Bauphysik / Wärmeschutz): Kriterium von 80 % relativer Feuchte an der Bauteiloberfläche als Schwelle für Schimmelpilzwachstum (Unterscheidung Raumluft- vs. Oberflächenfeuchte). Normtext kostenpflichtig über DIN Media, daher ohne Link.

Stand: Oktober 2026.

Hinweis: Alle Werte sind Richt- und Orientierungswerte. Bei konkretem Schimmelbefall oder Bauschäden empfiehlt sich eine Fachberatung, z. B. über die Verbraucherzentrale.