Taupunkt-Rechner: Taupunkt und Schimmelrisiko an der Wand berechnen
Schnelle Antwort: Der Rechner bestimmt aus Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit den Taupunkt und die Feuchte an Ihrer Wand. Bei 20 °C und 50 % liegt der Taupunkt bei 9,3 °C, Schimmel kann aber schon wachsen, wenn die Wand 12,6 °C oder kälter ist (80 % Oberflächenfeuchte, DIN 4108-2). Die Wandtemperatur müssen Sie nicht messen: Der Rechner schätzt sie aus Bauteil, Außentemperatur und Möbeln.
Das Hygrometer zeigt 50 %, das Thermometer 20 °C, ein Taupunkt-Rechner nennt 9,3 °C, und die Wand hinter dem Schrank fühlt sich trocken an. Alles in Ordnung? Nein: Schimmel braucht kein Tauwasser, er wächst schon gut 3 Grad oberhalb des Taupunkts. Dieser Rechner zeigt deshalb Taupunkt und Schimmelschwelle und beantwortet, was ein reiner Taupunkt-Rechner offen lässt: Wie warm ist meine Wand überhaupt? Den Überblick gibt die Themenseite Schimmel in der Wohnung.
Was die Kurzantwort nicht abdeckt: wie Sie ohne Infrarot-Thermometer an die Wandtemperatur kommen, warum ein Schrank dieselbe Wand um mehrere Grad kälter macht und wie belastbar das Ergebnis ist. Das klärt der Text unter dem Rechner.
Rechenweg: Taupunkt nach der Magnus-Formel (über Wasser; unter 0 °C bildet sich an der Oberfläche Reif, dort ist die Rechnung eine Vereinfachung); die Feuchte an der Oberfläche ergibt sich aus dem Verhältnis der Sättigungsdampfdrücke. Wird die Wandtemperatur geschätzt, geschieht das über den Temperaturfaktor f_Rsi (Oberflächentemperatur = Außentemperatur + f_Rsi × Temperaturdifferenz). Die U-Werte der Bauteile stammen aus dem Außenwand-Infosystem des Energieinstituts Hessen (Eicke-Hennig 2016). Für die freie Wand gilt wie im Schimmelnachweis nach DIN 4108-2 ein innerer Wärmeübergangswiderstand von 0,25 m²K/W. Hinter Möbeln kommt weniger Raumwärme an die Wand; dafür werden in der Normungsarbeit zur DIN 4108 0,5 m²K/W bei freistehenden Schränken und 1,0 m²K/W bei Einbauschränken vorgeschlagen (wiedergegeben vom Fraunhofer IBP: Sedlbauer 2001, Sedlbauer/Kießl 2002). Bewertung kritisch ab 80 % Oberflächenfeuchte (DIN 4108-2). Die Werte sind typische Anhaltswerte für den Bauteiltyp, keine Messung an Ihrem Gebäude: Orientierungswerte, kein Ersatz für eine bauphysikalische Begutachtung.
So benutzen Sie den Taupunkt-Rechner in drei Schritten
1. Raumklima eintragen. Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit in der Raummitte, am besten mit einem Thermo-Hygrometer. Das Umweltbundesamt (UBA) hält solche Geräte für die Eigenkontrolle für geeignet, sie erlauben aber nur eine grobe Einschätzung.
2. Wandtemperatur wählen. „Schätzen lassen“: Bauteil der kältesten Stelle, Außentemperatur und Möbel davor angeben. Oder „ich habe gemessen“ mit der Oberflächentemperatur.
3. Ampel lesen. „Unkritisch“ heißt unter 70 % Feuchte an der Wandoberfläche, „Grenzbereich“ 70 bis unter 80 %, „Schimmelrisiko“ ab 80 %; „Tauwasser-Gefahr“ erscheint, wenn die Oberfläche kälter ist als der Taupunkt. Die Vorwarnstufe passt zum UBA: Unterhalb von etwa 70 % wächst nach seinem Leitfaden kein Schimmel. Unter „Was hilft?“ steht die höchste Raumluftfeuchte, bei der die Wand unter 80 % bleibt.
Fünf Fälle zum Nachklicken, alle mit 20 °C Raumtemperatur und dem Bauteil „Vollziegel 38 cm (Normalwand)“, im letzten mit gemessener Wandtemperatur:
| Eingabe | Taupunkt | Wandtemperatur | Feuchte an der Wand | Anzeige |
|---|---|---|---|---|
| 60 %, außen 0 °C, Wand frei (Voreinstellung) | 12,0 °C | 13,6 °C | 90 % | Schimmelrisiko; Raumluft höchstens 53 % |
| wie oben, Schrank davor | 12,0 °C | 10,4 °C | über 100 % | Tauwasser-Gefahr; höchstens 43 % |
| 50 %, außen 0 °C, Wand frei | 9,3 °C | 13,6 °C | 75 % | Grenzbereich; kritisch ab 53 % |
| 60 %, außen 5 °C, Schrank davor | 12,0 °C | 12,8 °C | 95 % | Schimmelrisiko; höchstens 50 % |
| 50 %, Wand gemessen 12 °C | 9,3 °C | 12,0 °C | 83 % | Schimmelrisiko; höchstens 48 % |
Die Fälle vier und fünf zeigen, warum der Taupunkt allein nicht reicht: Die Wand liegt 0,8 K beziehungsweise 2,7 K darüber, bleibt trocken und überschreitet die Schimmelschwelle trotzdem (95 und 83 %). Wie sich das rechnet, folgt jetzt.
So berechnet der Rechner Taupunkt und Wandfeuchte: Magnus-Formel, 80-%-Kriterium, Temperaturfaktor
Der Taupunkt folgt aus der Magnus-Formel für Wasser mit den Koeffizienten 17,62 und 243,12 °C. Beispiel für 20 °C und 50 %: ln(0,5) + 17,62 · 20 ÷ (243,12 + 20) = 0,6462, daraus 243,12 · 0,6462 ÷ (17,62 − 0,6462) = 9,26 °C, gerundet 9,3 °C. Unter 0 °C bildet sich Reif; dort ist die Rechnung eine Vereinfachung.
Die Feuchte an der Wand ergibt sich aus zwei Sättigungsdampfdrücken: Der Wasserdampfgehalt bleibt gleich, kältere Luft hält weniger davon. Bei 50 % Raumluftfeuchte und 12 °C Wandtemperatur: 50 % · 23,3 hPa (bei 20 °C) ÷ 14,0 hPa (bei 12 °C) = 83 %.
Als Schimmelschwelle gilt das 80-%-Kriterium. Laut UBA-Schimmelleitfaden genügt für Schimmelpilzwachstum eine relative Feuchte von 70 bis 80 % an der Materialoberfläche, wenn sie länger einwirkt; sichtbar nass muss nichts sein. Die Verbraucherzentrale Niedersachsen nennt 80 % über mehr als zwei Wochen als Fall, in dem Schimmel vorprogrammiert ist. DIN 4108-2 bewertet Bauteile mit dem 80-%-Kriterium (Ausgabe 2013-02, nur Sekundärliteratur eingesehen; ob die Ausgabe 2026-05 es unverändert führt, haben wir nicht geprüft).
Die Wandtemperatur schätzt der Rechner mit einem Temperaturfaktor f: Wandtemperatur = Außentemperatur + f · (Raumtemperatur − Außentemperatur), nach dem Prinzip der Formel im UBA-Leitfaden. Der Faktor folgt aus dem U-Wert des Bauteils (Eicke-Hennig, Energieinstitut Hessen, 2016) und dem Wärmeübergangswiderstand innen: 0,25 m²K/W an der freien Wand wie im Schimmelnachweis nach DIN 4108-2, 0,5 hinter freistehenden und 1,0 hinter Einbauschränken (Vorschlagswerte aus der Normungsarbeit zur DIN 4108, wiedergegeben vom Fraunhofer-Institut für Bauphysik). Fünf der acht Bauteiltypen im Rechner bei 20 °C innen, 0 °C außen und 60 % Luftfeuchte (Taupunkt 12,0 °C):
| Bauteil | U-Wert (W/m²K) | Faktor f, Wand frei | Wand frei | Schrank davor | Einbauschrank davor |
|---|---|---|---|---|---|
| Fachwerk, ungedämmt | 2,60 | 0,50 | 10,1 °C, Tauwasser | 6,7 °C, Tauwasser | 4,1 °C, Tauwasser |
| Vollziegel 38 cm | 1,50 | 0,68 | 13,6 °C, 90 % | 10,4 °C, Tauwasser | 7,0 °C, Tauwasser |
| Gasbeton 24 bis 30 cm | 0,81 | 0,82 | 16,3 °C, 76 % | 13,8 °C, 89 % | 10,5 °C, Tauwasser |
| Nachträglich gedämmt | 0,27 | 0,93 | 18,7 °C, 65 % | 17,5 °C, 70 % | 15,6 °C, 79 % |
| Neubau nach GEG | 0,20 | 0,95 | 19,0 °C, 64 % | 18,1 °C, 67 % | 16,6 °C, 74 % |
Eigene Berechnung, stationär; „Tauwasser“ heißt: Wand kälter als der Taupunkt, rechnerisch über 100 % Feuchte.
Ein Schrank macht die Vollziegelwand um gut 3 K kälter als die freie Wand, ein Einbauschrank um mehr als 6 K. Wie weit ein Schrank die kritische Außentemperatur anhebt, rechnet Schimmel hinter Möbeln vor: Für die Normalwand bei 60 % liegt sie frei (Ansatz DIN 4108-2) bei +5,6 °C, hinter einem freistehenden Schrank bei +10,5 °C, hinter einem Einbauschrank bei +13,0 °C.
Gegenprobe: Das UBA nennt für 22 °C und 50 % eine Wandtemperatur von 14,5 °C bei 80 % Feuchte und einen Taupunkt von etwa 11 °C; mit derselben Formel erhalten wir 14,5 und 11,1 °C (der Taupunkt steht in der Tabelle unten). Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz gibt für Wände mit 12,3 und 18,8 °C kritische Raumluftfeuchten von 49 und 74 % an; wir kommen auf 49,0 und 74,2 %.
Grenzen: Der Rechner rechnet stationär, mit konstanter Raumluftfeuchte und typischen Werten je Bautyp. Das UBA merkt an, dass solche Werte nur unter stationären Bedingungen gelten und in der Praxis nicht immer exakt zutreffen; an Ecken und Fensterlaibungen liegt die Temperatur laut Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz oft noch darunter.
Taupunkt-Tabelle: 16 Raumklimata und die 80-%-Grenze für 20 °C
Taupunkt für 16 bis 22 °C Raumtemperatur und 40 bis 70 % Luftfeuchte (eigene Berechnung, Magnus-Formel). Lesebeispiel: Bei 22 °C und 60 % beschlägt eine Fläche, die kälter als 13,9 °C ist.
| Raumtemperatur | 40 % | 50 % | 60 % | 70 % |
|---|---|---|---|---|
| 16 °C | 2,4 °C | 5,6 °C | 8,2 °C | 10,5 °C |
| 18 °C | 4,2 °C | 7,4 °C | 10,1 °C | 12,4 °C |
| 20 °C | 6,0 °C | 9,3 °C | 12,0 °C | 14,4 °C |
| 22 °C | 7,8 °C | 11,1 °C | 13,9 °C | 16,3 °C |
Bei 20 °C bringen 10 Prozentpunkte mehr Luftfeuchte 2,4 bis 3,3 K mehr Taupunkt (40 auf 50 %: 3,3 K), 2 °C wärmere Raumluft bei gleicher Feuchte nur 1,8 bis 1,9 K.
Für Schimmel ist die zweite Tabelle wichtiger. Sie zeigt für 20 °C, wie warm die Wandoberfläche mindestens sein muss, damit die Feuchte dort unter 80 % bleibt:
| Luftfeuchte im Raum (20 °C) | Taupunkt | 80-%-Grenze der Wandtemperatur |
|---|---|---|
| 40 % | 6,0 °C | 9,3 °C |
| 50 % | 9,3 °C | 12,6 °C |
| 60 % | 12,0 °C | 15,4 °C |
| 70 % | 14,4 °C | 17,9 °C |
💡 Faustregel: Bei 20 °C liegt die Schimmelschwelle der Wand zwischen 40 und 70 % Luftfeuchte 3,3 bis 3,5 K über dem Taupunkt. Wer nur auf den Taupunkt schaut, warnt zu spät.
Hier steckt ein häufiger Irrtum: In vielen Ratgebern gelten die 12,6 °C als Taupunkt. Der Taupunkt bei 20 °C und 50 % liegt aber bei 9,3 °C; die 12,6 °C sind die Wandtemperatur, bei der 80 % Feuchte erreicht werden, rechnerisch der Taupunkt bei 62,5 % Luftfeuchte (50 ÷ 0,8). Mehr dazu bei den Ursachen von Schimmel.
Was Sie bei Schimmelrisiko oder Tauwasser tun
- Möbel abrücken: Die Verbraucherzentrale Niedersachsen rät, Möbel ungefähr 5 bis 10 Zentimeter von kalten Außenwänden abzurücken. Wie viel das bringt, hängt von Abstand, Rückwand und Sockel ab; die Bauteiltabelle zeigt mit „Schrank davor“ und „Wand frei“ die beiden Extreme.
- Luftfeuchte senken: Liegt die „Raumluft höchstens“-Zahl unter Ihrem Hygrometerwert, hilft es, Feuchtequellen abzustellen und stoßzulüften. Warum die Luft zu feucht wird, erklärt Luftfeuchtigkeit zu hoch; wie Heizen und Lüften zusammenspielen, Schimmel vorbeugen.
- Fenster beschlagen? Dann liegt die Scheibe unter dem Taupunkt: Kondenswasser am Fenster.
Der Rechner ist eine Orientierung, keine Diagnose: Bei Befall über 0,5 m² oder unbekannter Ursache empfiehlt das UBA eine Fachfirma.
Häufige Fragen
Ab welcher Luftfeuchtigkeit entsteht Schimmel?
Entscheidend ist die Feuchte an der Wandoberfläche, nicht in der Raummitte: Das UBA nennt 70 bis 80 %, wenn sie länger einwirkt. Wie viel Raumluftfeuchte das zulässt, hängt von der Wandtemperatur ab: Bei 20 °C innen und 0 °C außen sind es laut Rechner an der freien Vollziegelwand höchstens 53 %, mit Schrank davor 43 %, an einer gedämmten Wand mit Schrank 69 %.
Brauche ich ein Thermometer für die Wand?
Nein, der Rechner schätzt die Wandtemperatur; ein Thermo-Hygrometer genügt. Wer die Oberfläche selbst misst, sollte laut UBA an mehreren Stellen und zu verschiedenen Zeiten messen, denn eine einmalige Messung gibt nur bei deutlichem Temperaturunterschied zwischen innen und außen einen Hinweis.
Kann ich den Rechner für beschlagene Fenster nutzen?
Ja, im Modus „ich habe gemessen“ mit der Scheibentemperatur. Auf Glas ist der Taupunkt die maßgebliche Zahl: Liegt die Scheibe darunter, beschlägt sie.
Ersetzt der Rechner ein Gutachten oder den Nachweis nach DIN 4108-2?
Nein, er liefert Orientierungswerte für einen Bauteiltyp, keine Messung an Ihrem Gebäude und keinen Normnachweis. Bei sichtbarem Befall oder unklarer Ursache gehört die Beurteilung in die Hände von Fachleuten.
Fazit
Tragen Sie Ihre Werte ein und lesen Sie zuerst die Feuchte an der Wand, nicht den Taupunkt. Rechnen Sie den Fall mit und ohne Schrank durch: Springt die Ampel dabei von Gelb auf Rot, ist das Abrücken der Möbel um 5 bis 10 Zentimeter die günstigste Gegenmaßnahme. Wie stark Möbel die kritische Außentemperatur verschieben, rechnet Schimmel hinter Möbeln vor.
Quellen
- Umweltbundesamt (UBA): Leitfaden zur Vorbeugung, Erfassung und Sanierung von Schimmelbefall in Gebäuden (2024), S. 23, 24, 48 bis 50, 52, 53 und Kap. 6.2.
- Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz: Faktencheck „Führt Wärmedämmung zu Schimmel?“ (Stand März 2024).
- Verbraucherzentrale Niedersachsen: Schimmel in der Wohnung: vorbeugen und handeln.
- W. Eicke-Hennig, Energieinstitut Hessen (2016): U-Werte und Einsparmöglichkeiten typischer Außenwände.
- K. Sedlbauer, Fraunhofer-Institut für Bauphysik: Vorhersage von Schimmelpilzbildung auf und in Bauteilen, Dissertation Universität Stuttgart 2001, S. 40 (Wärmeübergangswiderstände für Schränke, dort als Vorschlagswerte aus der Literatur zitiert); dieselben Werte als Vorschlag für eine künftige DIN 4108 bei K. Sedlbauer und K. Kießl: „Neue Erkenntnisse zur Beurteilung von Schimmelpilzen und Stand der Normenbearbeitung“ (2002), S. 6.
- DIN 4108-2: Ausgabe 2013-02 als Sekundärzitat, neue Ausgabe DIN 4108-2:2026-05 nicht geprüft.
- Magnus-Koeffizienten nach Sonntag (Meteorologische Zeitschrift 1994), wie in der Fachliteratur wiedergegeben; Original nicht eingesehen.
- Eigene Berechnung (klimanest.de, Oktober 2026): alle Tabellen und Beispielfälle.
